Nach französischem Vorbild

Kampf der „Gefrier“

Über die Abwehrmöglichkeiten von Frostschäden aus dem Buch „Gründlicher Unterricht, die besten französischen Obstbäume zu pflanzen, zu pflegen, und derselben Früchte zu benutzen“ (initiiert und gefördert von Fürst Nikolaus Esterházy)

Dass Gefrier und Reifen in den Weinbergen und Gärten grosses Unheil anrichtet, ist bekannt. Um diesem vorzukommen und zu lindern gibt es verschiedene Mittel und Wege.
Die Erfahrungsversuche aus Frankreich und anderen Gegenden haben uns schon viele Jahre gelehret, dass ganze Rebberge und Bäume in den Gärten vor Gefrier und Reifen im Frühlinge sind bewahret worden, durch das Räuchern, wodurch für viele Tausend Gulden in einem Morgen ist gewonnen worden.
Alle Jahre werden schon im Herbste zur Vorsorge an der Nordost- und auch Nordwestseite auf den Anhöhen alle 100 Schritte längs den Weinbergen hin Haufen von Moose, Holzspänen, Dorn, Reisern, und allerley Gemiste etc. aufgesetzt, welche von den Winzer, sobald im Frühjahre zu Nachts oft dem Weinstocke Gefahr drohet, um Mitternacht angezündet werden, und zwar der Gestalt, dass sie nur einen dicken Rauch, nie aber wirkliche Flamme, vornämlich an denjenigen Stellen zu Nachts geben, woher der Wind den Rauch am sichersten über die Weinberge verbreiten kann. Sobald eine Flamme hinter dem Qualme hervorlodert, so wird auf der Stelle der brennende Haufen mit Erde bedeckt, und während der Glut selbst derselbe öfters benässet, und mit naßgemachten Reiserbündeln sorgfältig jede kleine Flamme im Entstehen ausgelöscht, damit es in einem immerwährenden dicken Rauche unterhalten wird.

Wodurch natürlicher Weise, wenn alle Haufen angezündet sind, eine grosse Rauchwolke über die ganze Flur gezogen wird, welche die Reben vor dem Gefrieren allenthalben bewahret.
Und eben diese Hufen zündet man an um Mitternacht bey eingetretener Kälte; zu welcher Beobachtung Nachtwächter bestellet werden, um die Glocke anzuziehen, damit die Winzer dieses Geschäft anfangen. Bis zu St. Urbanstag, oder den 25. May, welches der kritische Tag der Weingärtner ist, wird diese Vorsicht mit aller Sorgfalt fortgesetzet.

So vorsintflutlich uns dieses „Heizen gegen den Frost“ auch erscheinen mag, viele Menschen im Blaufränkischland erinnern sich noch sehr gut an diese Tätigkeit, denn sie wurde in manchen Gemeinden noch bis in die frühen 1960er Jahre praktiziert.

 

Quelle: J. Fally, A. Gebert, „Blaufränkischland“

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